• Als

Mikrobiom

  • werden alle physiologischen Mikroorganismen eines Menschen zusammengefasst, welche auf seinen Oberflächen Haut und allen Schleimhäuten in Symbiose leben und so massgeblich für die evolutionäre Entwicklung und Aufrechterhaltung zahlreicher Lebensfunktionen wie Ernährung und Schutz mitverantwortlich sind. Da die größte Schleimhaut des Darmes für die meisten die Heimat ist, werden sie im Volksmund auch als Darmflora bezeichnet.
  • Sie sind uns zahlenmäßig überlegen, jedoch deutlich kleiner als die Billionen menschlicher Zellen, gehen unterschiedlich lockerer Verbände in teilweise speziellen Milieus (so genannte Biofilme) im Gegensatz zu unseren teilweise festverankerten Zellen ein.
  • Sie ernähren sich von unseren Sekreten und Ausscheidungsprodukten, verstoffwechseln diese teils mit und teils ohne Sauerstoff, produzieren Stoffe, welche sie wiederum ausscheiden (z.B. Buttersäure, Histamin) und für uns „essentielle“ Nahrung (z.B. Vitamine). Schließlich haben sie Zellkerne und eine DNA mit einem unterschiedlichen genetischen Code, welcher teilweise bzw. zusammengenommen komplizierter aufgebaut ist als der des Menschen. Sie sind teilweise wiederstansfähiger, jedoch auch sensibler auf die uns umgebende Umwelt. Sie vemehren sich durch Teilung, verändert ihren DNA-Code (Resistenz durch Antibiotika und andere Umweltgifte) und sterben je nach ihren Reparaturmöglichkeiten.
  • Sie kommunizieren per Botenstoffe (vergleichbar mit unsrigen) , reagieren auf jeglichen Stress und werden auch als 3. Gehirn bezeichnet. Übrigens ist das 2. Gehirn das des fast unabhängig arbeitenden vegetativen bzw. enterischen Nervensystem, was die gesamte Verdauung regelt. Diese Neurone reagieren auf diese Botenstoffe und beeinflussen somit nicht nur die Tätigkeit des Verdauungstraktes, sondern auch den Informationsaustausch im Gehirn (z.B. Emotionen wie Wut, Zorn und Neid), was die traditionelle chinesische Medizin (TCM) ohne genaue anatomische Hindergründe schon Jahrtausende lehrt.
  • Im Rahmen der Evolution kam es aber auch zur Ausbildung einer spezifischen Immunität. Neben dem „altem“ nicht adaptivem bzw. zellulärem Immunsystem mit so genannter Schleimhautabwehr (u.a. durch gezielte Sekretion von Immunglobulin A) entwickelte sich „neues“ adaptives humorales Immunsystem, da als Koordinator Zytokine fungieren müssen. Neben speziellen Stationen an Körperöffnungen müssen v.a. im Darm Immunzellen durch „schmutzige“ bzw. „kontaminierte“ Nahrung informiert bzw. trainiert werden. Hierzu ist ein Kontakt zwischen dem Mucosa-Immunsystem (MIS) der Darmflora zu den Peyer Plaques mit Lymphozyten und Makrophagen nötig.
  • So hat sich ein organ-assoziierten Lymphsystem von Nase, NNH, Tube, Innenohr und Pharynx (NALT), Auge, Larynx, Trachea, Bronchien und Lunge (BALT), Milchdrüse bzw. Mamma, Vagina, Uterus, Eileiter, Harnröhre, Blase, Samenbläschen, Prostata, Harnleiter und Nieren(becken) sowie Esophagus, Magen, Duodenum, Galle und Leber(gänge), Pankreas(gänge) sowie Dünn- und Dickdarm selbst (GALT) entwickelt. Parallel kam es zur Einschaltung von Lymphstationen wie Appendix und Tonsillen.

Dysbiose

  • Die Störung der Darmflora ist quasi eine quantitative und zugleich qualitative Dysbalance der noch nicht vollständig erforschten Anzahl der vermuteten tausenden Arten und ihres Stoffwechsels, was man auch als Overgrowth syndrome bei Zunahme der parasitär lebenden Mikroorganismen nennt und im Labor analysieren kann. Diese schaden dem Makroorganismus Mensch und dem Mikrobiom, verursachen Störungen in beiden Stoffwechseln, bei der eigentlichen Verdauung, des Mucosa-Immunsystem (MIS) sowie des assoziierte Lymphsystems.

Ätiologie

  • einfach alles…
  • schon die Sectio läßt die vaginale Döderlein-Flora und damit die Umwandlung zur physiologischen Darm-Flora vermissen
  • das gleiche gilt für nicht gestillte Säugling (Fläschlinge), was früher durch eine Amme kompensiert werden konnte und derzeit nur durch industrielle hergestellte Milch ohne Flora garantiert wird
  • jede plötzliche veränderte Mahlzeit einschl. Urlaubsessen mit zu wenig Ballaststoffen und zu viel Keimen bzw. Eiweiß und Fett
  • jede Gastroenteritis einschl. Divertikulose, Enteropathie bzw. Intoxikation einschl. Umweltgifte, Medikamente und v.a. Kortison und Antibiotika
  • das was wir schlucken (aber damit ist nicht der natürliche „Dreck“, den jedes Tier mühelos verschlucken und abwehren kann, sondern der aus Menschenhand bzw. dem Labor und Industrie gemeint!!!)
  • jede stress adaptierte Hyp- bzw. Anazidität bzw. Hypochlorhydrie des Magens („das schlägt mir gleich auf den Magen“ bzw. „das geht mir durch den Magen“), aber auch Störung anderer Sekrete („mir läuft die Galle über“) und externe Übersäuerung bzw. Acidose
  • Störung der Motilität mit Diarrhoe bei erhöhtem und Obstipation bei erniedrigtem Sympathikotonus

Pathogenese

  • die zahlenmäßig überlegenen Symbionten (mehr als menschliche Zellen sprich über 1012!) mit 106 Genen (im Mensch nur 104) sterben schneller als sie sich teilen…
  • einerseits je nach Toxin (z.B. Botulismus Toxin, Konservierungsstoff, Schwermetall) kommt es wie bei der Wirkung der Antibiotika zur Störung der Zellwand (bzw. des Stofftransportes und Zellschutzes), der Funktion (RNS), Energiebereitstellung (Mitochondrien) und Regeneration (DNS) und direkt zur Agoptose
  • unklar ist Rolle der ph-Wert-Regulierung bei Dysazidität des Magens und Dyssekretion von Galle, Pankreas- und Dünndarmsaft
  • zusätzlich je nach Zustand der Valva ileocaecalis Bauhin Reflux des Colon-Inhaltes ins Ileum und damit lokales Überfluten (overgrowth) der aeroben Dickdarmflora, welche Wasserstoff und Peroxide ausscheiden
  • Dreh- und Angelpunkt ist die Störung der mikrobiellen Barriere bzw. der Kolonialresistenz des Mucosa-Immunsystems (MIS)
  • im Gegensatz zur Symbiose nimmt nun Parasitismus, Kommensalismus und Neutralismus durch Erhöhung des Anteils nicht physiologischer (Fäulnis)-Keime zu (auf gestörter Rasenfläche wächst in „Löchern“ zunächst Unkraut…)
  • d.h. weniger aus den Gruppen der Actinobacteriae wie Bifidobacterien, der Firmicutes wie Lactobazillen, der Proteobacteriae wie Enterobacteriacear, Bacteroides, Akkermansia muciniphila, Faecalbacterium prausnitzi, Alistipes, Dialister invisus,
  • Dysbalance der Ruminococcus albus/bromii bzw. gnavus
  • sowie vermehrt Clostridien, Klebsiellen, Entero-, Helico-, Campylo- und Citrobacter, Proteus, Pseudomonas und enteropathogene E(scherichia) coli (so genannte EHEC)
  • auch Besiedlung durch pathogene und fakultativ pathogene Pilze wie Geotrichum, Candida bzw. Monilia…
  • Störung der Verwertung von Kohlehydraten und Eiweißen, aber auch der Produktion von Vitaminen wie B3, 9, 12 und K, Veränderung des ph-Wertes, Störung des exokrinen Digestion, Störung der Ernährung und damit der Regeneration der Enterozyten, welche über G-Protein-gekoppelte Rezeptoren mit Ausscheidungsprodukten der Flora in Kontakt stehen. Es kommt z.B. über Buttersäure (Butyrat) am Niacin-Rezeptor zur Sekretion von IL18 (Bayer und Schmidt 2015).
  • Zusätzlich kommt es zur Produktion von (hepato)toxischen Substanzen wie Schwefelverbindugen (leaky gut) und damit Gasbildung
  • Störung der Immuntoleranz, -stimulation und auch –suppression über lymphatisches System und damit humoralen Abwehr einschl. Sekretion von IgA durch Makrophagen bzw. Monozyten und nach Sekretion von IL1, 4 und v.a. 6 durch Plasmazelle
  • schließlich kommt es zur Pathogenität bzw. Invasivität von Erregern wie z.B. EHEC und Candida

Klinik

  • gastrointestinale Symptome
  • sinubronchale Symptome wie Rhinitis, Sinusitis, Pharyngitis, Laryngitis, Bronchitis, Alveolitis, Pneumonie, Pleuritis
  • Hautveränderungen wie Erythem, Ekzem, (Neuro)Dermatitis, Flechte, Akne, Pusteln, Furunkel, Karbunkel, Abszess
  • Neigung zu Mykosen, Allergien, Asthma, Intoleranzen und Unverträglichkeiten, Urtikaria, Lymphödeme, Adipositas, Arthritiden und rheumatische Syndrome einschl. Myalgien, ja sogar Autoimmunopathien
  • orthopädische Symptome wie Haltungsinsuffizienz mit hohlrundem Nacken und Rücken, Ventralkippung des Beckens, genu varum bei Insuffizienz der recti et obliqui abdominis, quadriceps, tensor fasciae latae, ischiocrurales, deltoideus, serratus anterior, rhomboidei und pectorales sternales

Symptomatik

  • foetor ex ore bzw. Mundgeruch
  • nausea bzw. Übelkeit
  • ructus bzw. Rülpsen
  • singultus bzw. Aufstoßen
  • pyrosis bzw. Sodbrennen
  • flatulenz bzw. Völlegefühl
  • meteorismus bzw. Blähung
  • tenesmos bzw. Stuhlzwang
  • emesis, vomitus bzw. Erbrechen
  • diarrhoe bzw. Durchfall
  • obstipation bzw. Verstopfung

Prophylaxe

Schwangere

  • Therapie einer Kolpitis vor normaler Geburt und mind. 6 Monate Stillen, Ballaststoffe, Mahlzeit-Management bzw. –Rituale, Vermeiden von Allergenen wie Kuhmilcheiweiß, fast food, Umweltgifte und Streß bzw. Übersäuerung bzw. Acidose

Kind

  • bei Sectio und Stillkomplikationen u.g. Symbioselenkung
  • keine übertriebene Hygiene (ruhig mal „Dreck“ schlucken lassen)
  • kein Impfstoff, welcher mit Schwermetallen o.a. Konservierungsmittel haltbar gemacht wurde, um industriellen Profit zu erbringen (klare Kennzeichnung dieser Stoffe, z.B. Quecksilber-Gehalt, keine sinnlose Panik-Kampagnen über Medien)
  • Impfzeitpunkt nicht kalendarisch, sondern entwicklungstechnisch und gesundheitlich wählen, größere Zwischenräume bei „blassen, lymphatischen, kleineren und hautempfindlichen“ Kindern (evtl. Einzel- statt Mehrfach-Impfstoff)
  • nur gegen Krankheiten impfen, welche nachweislich häufig sind und weltweit bzw. europaweit saisonalen Schwankungen (Jahreszeit, Wetterlage, Urlauber, Einreisende, Eremiten und Flüchtliche) unterliegen und von mind. 2 unabhängigen Wissenschaftler(gruppe)n bzw. Instituten/Laboratorien bestätigt wurden
  • zeitiger und häufiger Kinderkontakt (Großfamilie, Kinderkrippe und Kindergarten)
  • Leben auf dem Bauernhof bzw. anthroposophische Lebensweise

Symbioselenkung durch Prä- und Probiotika

  • Präbiotika, welche als Nahrungsquelle v.a. der physiologischen Flora dient (z.B. Inulin)
  • schleimbildende Keime für Regeneration des physiologischen Biofilms bzw. Mucosa
  • ph-regulierende Keime
  • gezielte Gabe von Dickdarm- und Dünndarmflora
  • lyophilisierte Keim(teil)e bzw. angetötete Keime, welche v.a. „Impfeffekt“ darstellen
  • lebende immunmodulierende Keime
  • da keine Stammzelle bekannt ist, gibt es diverse individuelle Strategien mit Autolysaten, Bakteriengemischen oder Einzelkeimen bzw. deren Stämmen (z.B. Escherichia coli Nissle, Lactobazillus rhamnosus, plantarum, casei usw.)
  • Autovaccine aus körpereigenem Stuhl
  • Stuhltransplantation

Literatur

  1. Arbeitskreis Mikrobiologische Therapie (2004) Grenzflächen am menschlichen Körper und ihre Bedeutung für die Gesundheit. Herborn
  2. Bayer W, Schmidt K (2015) Intestinale Dysbiosen erkennen und therapieren. synlab Services
  3. Beyer D, Peters U (2003) Mikrobiologische Therapie. Forum, Germering
  4. Rusch K, Rusch V (2001) Mikrobiologische Therapie. Haug, Heidelberg
  5. Rusch V (1999) Bakterien – Freunde oder Feinde. Urania, Berlin
  6. Schmidt-Fuchs R, Peters U (2004) Mikrobiologische Therapie. Dönges, Dillenburg
  7. Schöllmann C, Zimmermann K (1997) Intestinale Mikroflora und Immunsystem. Forum, Stockdorf