Ein Patient sucht den Kontakt zu einem Arzt, einem Therapeuten oder einem Auszubildendem entweder aus freiem Willen bzw. auf eigenen Wunsch, auf  Empfehlung bzw. Überweisung durch Kollegen. Da der schriftliche Überweisungsgrund nicht immer mit den Angaben des Patienten überein stimmt, sollte schon zu Kontaktaufnahme vom mittleren medizinischen Personal gezielt nach dem Grund der Konsultation gefragt werden („Wer oder was führt Sie zu uns?„). Oft klären sich hier schon Mißverständnisse. Bei subjektiven Beschwerden, welche nur verbal zu beschreiben sind, kann man dem mehr oder weniger nervösen Patienten Hilfestellung geben („Zeigen Sie es genau!“). Dabei sollte man dem Patienten empathisch gegenüber sitzen und zuhören. Je nach wirtschaftlicher Kapazität kann durch Angestellte oder Assistenten schriftlich dokumentiert werden, insofern es nicht schon im Vorfeld (per Medien bzw. am Tresen oder im Wartezimmer) auf einem Fragebogen begonnen wurde.

Da Beschwerden als biologisches Warnsignal gelten, muss man nach kausalen Ursachen fahnden. Dabei kann man während der Anamnese Suggestivfragen einschieben, um einen „roten“ Faden nicht zu verlieren. Sollte sich der Patient nicht an ein kausales Ereignis erinnern bzw. ein solches nicht in Betracht ziehen, muss chronologisch rückwärts gefragt werden. So kann es nötig sein, Auffälligkeiten aus dem Alltag (Schule, Beruf und Freizeit) sowie Urlaub(sreisen), Umzüge bzw. Renovierungen unter Berücksichtigung individueller Lebensphasen wie Ein- oder Umschulung, Pubertät, Klimakterium, aber auch Konflikte durch Trennung, Scheidung, Krankheit und Tod der Angehörigen bzw. Freunde chronologisch aufzuarbeiten. Das kann mehrere Gesprächstermine in Anspruch nehmen.

Die Schmerzanamnese

Als eines der häufigsten Gründe für eine Arztkonsultation soll nun der Schmerz näher in der Erhebung der Krankengeschichte betrachtet werden. Er kann als morgendlicher bzw. Anlauf-, als Belastungs-, als Ermüdungs-, als Ruhe-, als Nacht- oder als Dauerschmerz (merke: BAERND) beschrieben werden.

Der Belastungs-Schmerz ist Kennzeichen organischer Pathologien des muskuloskelettalen Systems durch kausale Ursachen, Verschleiß sowie manifeste Störungen jeglicher Muskeln, des Stoffwechsels sowie der Durchblutung (absolute claudicatio bei akutem Disstress nach Selye und Aktivierung des Sympthikus über die SMA-Achse).

Der Anlauf-Schmerz kann bei Störungen mit hormonellem Einfluss wie z.B. bei entzündlich-rheumatischen Entzündungen (initiale claudicatio, chronischer Disstress der HPA-Achse durch neuromodulativem Trigger mit Anstieg von Zytokinen) auftreten.

Der Ermüdungs-Schmerz weist auf funktionelle Störungen von Muskeln, des Stoffwechsel sowie der Durchblutung (relative claudicatio) bzw. Überlastungen des Bindegewebes, der extrazellulären Matrix bzw. Grundregulation durch psycho-neuro-endokrino-immunologische Prozesse bei (un)bekannten Intoleranzen und Infekten hin (Ermüdung der HPA-Achse bzw. adrenal fatigue durch latente Acidose bzw. silent inflammation nach Pall durch Anstieg von Transmittern und biogenen Aminen bei Störung der antioxidativen und -nitrosativen Systeme)

Der Ruhe-Schmerz tritt bei Dekompensationen der o.g. Überlastung durch zusätzliche metabolische Prozesse bei (un)bekannten Intoleranzen und Infekten (z.B. Infektionskrankheit, Idiosynkrasie oder Herxheimer-Reaktion) auf und kann auch ein Zeichen einer Überlastung des vegetativen Nervensystems sein (Permeabilitätstörung nach Ricker, Immun-Intoleranz durch Focus, Herd oder Trigger bei Störung der Mitochondrien (ATP-Stoffwechsel), Erschöpfung Sympathikus über die SMA-Achse).

Der Nacht-Schmerz stellt die Überlastung des vegetativen, peripheren bzw. zentralen Nervensystems (Aktivierung subkortikaler Zentren über vegetative Kerne wie Locus coeruleus, Tegmentum, Raphé-Kerne und Epiphyse bzw. deren Verschaltungen über Neuro-Transmitter wie Noradrenalin, Dopamin, Serotonin, Melatonin u.a.) dar.

Der Dauer-Schmerz ist eine Erkrankung des kortikalen Nervensystems i.S. eines Schmerzgedächtnisses (Erschöpfung des Endocannabinoid-Systems).

Geburtsanamnese

Sehr wichtig sind Hinweise aus Geburtsverlauf (v.a. Lungenunreife bei Frühgeburt, Jing-Mangel bei Mehrlingsgeburt, cranial faults bei komplizierten Schädellagen, Verzögerungen), einem Kaiserschnitt (sectio caesaria) mit fehlender Aufnahme von Vaginalflora und der Stillzeit mit (zu) früh eingesetzter Ersatzmilch (Reaktion auf Kuhmilcheiweiß), dem Auftreten von Milchschorf sowie Koliken als Zeichen einer Dysbiosis. Ein so genannter Schiefschädel (Plagiocephalie), blockierte Kopfgelenken bzw. kopfgelenk-induzierte Symmetriestörung (KISS) mit nötiger Osteopathie, Allergien, Nahrungsmittelintoleranzen, Neurodermitis u.a. stress-induzierten Erkrankungen ergeben auch Hinweise auf Folgestörungen wie Atlasfehlstellung und -blockierungen, Zahnungs- , Biss- und Kau-Störungen bzw. eine so gennante CMD (aber auch craniocervicale und craniosacrale Dysfunktion).

Unfall-, Operations-, Infekt- und „Stress“-Anamnese

Ereignisse jedweder Art ergeben kausal Hinweise für Beschwerden. Jeder Sturz angefangen vom Wickeltisch, in der Kita, Schule , beim Sport usw. kann besonders Schädel(nähte), Atlas bzw. HWS bis zum Steiß in dauerhafte Mitleidenschaft ziehen. Bei Operationen ergeben sich manchmal aus dem Grund, dem Zeitpunkt (vor allem bei mehreren Narkosen und Operationen in kurzen Zeitabständen ohne ausreichende Regeneration), dem Verlauf („Die Wunde heilte schlecht.„) und aufgetretener Komplikationen an Organen, Extremitäten, Kopf und Zähnen zusätzliche Hinweise für kausale Zusammenhänge (Entfernung der Polypen und/oder Mandeln bei hypererger Immunsituation oder hartnäckigen Streptokokken, einzelne Wurzelspitzenresektionen von Zähnen, der Entfernung und Ersatz durch Metall-Implantate, jeder Damm-Riss, -schnitt bzw. -naht, Abort bzw. Interruptio usw.). Oft muss man Dokumente wie diverse Ausweise und Pässe einsehen sowie nach „innerlichen“ Narben suchen.

Nicht nur akute, sondern chronische und latente Infektionen wie stomatologische, rhinologische, otologische und pharyngologische Entzündungen sind immer hinweisend auf immunologische Regulationsstörungen. Darüber hinaus geben Antikörperstatus, Dauermedikation, Hauterkrankungen und schulmedizinische Diagnosen Hinweise für Dekompensationen des jeweiligen Organsystems, Keimblatts bzw. des Systems der Grundregulation.

Im Rahmen der chronologisch-rückwärtigen Befragung gilt der Pubertät, der Mensis bzw. des Klimakteriums, gilt den Organen der adrenergen und kortikalen Stressachse, der Schilddrüse, des Pankreas und der Leber besondere Aufmerksamkeit. Das Auftreten von anderen Symptomen wie Lymphödem, Schwellungen, Hauterscheinungen, Schwitzen, Schwindel, Erschöpfung und emotionalen Symptomen geben Hinweise für Störungen, welche durch Laboruntersuchungen, kinesiologische und andere Stress-Tests untermauert werden können.

Zahnanamnese

Eine der wichtigsten und schwierigsten Abschnitte ist die Erarbeitung der stomatologischen, kieferorthopädischen und –chirurgischen Anamnese.  Eine Übersicht durch ein Röntgenbild (z.B. Panorama-Aufnahme bzw. OPTG), einen Behandlungsverlauf bzw. Status (1. Füllungen (v.a. Amalgam sowie verschiedene Metalle), 2. Prothetik, 3. Operationen (z.B. Wurzelresektionen, Implantate), Zahnersatz, Schienen und Apparaturen hilft. Oft ergeben sich bei hartnäckigen Beschwerden und Befunden Hinweis auf latente Intoxikation und Intoleranzen auf Umweltgifte bzw. dentogene „Laichengifte“, welche dringend eine Aufklärung erforden. Auch hier entwickeln sich immer bessere Labortests.

allgemeine bzw. vegetative Anamnese

Die folgende Übersicht dient abschließend als Hinweis, nach welchen Aspekten der Anamnese man fragen kann.

  • Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und pseudoallergische Symptome wie Nesselsucht (urticaria) ,
  • Fieber, Schnupfen (rhinitis), laufende Nase und Sinusitis
  • Kopfschmerz und Migräne,
  • Synkopen, Orthostasen bzw. Kreislaufschwankungen und Bluthochdruck (arterieller hypertonus)
  • Hörsturz und Ohrgeräusche (tinnitus),
  • Schwindel bzw. vertigo (Art, Verlauf, Bewegungsabhängigkeit), Übelkeit bzw. nausea, Erbrechen bzw. emesis oder vomitus (Häufigkeit, Verlauf, Beschaffenheit),
  • Mundgeruch bzw. foetor ex ore,
  • Rülpsen bzw. ructus und Aufstoßen bzw. singultus, Sodbrennen bzw. pyrosis,
  • Schluckbeschwerden bzw. dysphagie, Heiserkeit bzw. rausitas,
  • Appetit, Hunger und Durst(gefühl),
  • Völlegefühl bzw. flatulenz, Blähungen bzw. meteorismus und Stuhlzwang bzw. tenesmen,
  • Stuhlgang (Schmerzen, Häufigkeit (obstipatio oder diarrhoe), Farbe, Geruch, Konsistenz, Auflagerungen),
  • Wasserlassen bzw. mictio (Beschwerden (Brennen oder „Schneiden“ ), Inkontinenz und Harndrang, Häufigkeit, Stottern, Nykturie),
  • Libido- bzw. Potenzprobleme,
  • Schlafstörungen (Ein- bzw. Durchschlafstörungen)

Alle subjektiven Angaben sollte der Patient selbst dokumentieren, um im Verlauf zu sehen, welche dazugekommen sind, sich verändert haben bzw. gelindert wurden. Dazu zählen auch diverse apparative Messungen wie Umfänge, Blutdruck, Puls und Herzfrequenz (auch als HRV-Test) sowie Laborwerte u.a. funktionelle Regulationstests.

Literatur

Dazu möchte ich neben den notwenigen Dialogen mit meinen Kolleginnen und Kollegen, Lehrerinnen und Lehrern allen Patientinnen und Patienten nur das kleine Buch (mein erstes nach dem Physikum!) empfehlen:

Lange A (1988) Anamnese und klinische Untersuchung. Volk und Gesundheit, Berlin